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Frankfurter Neue Presse, 18.04.2006

Gospels: Seit zehn Jahren ein Hit

Die Atterberry Chapel geht in ihrer Gründung noch auf die amerikanischen Soldaten im Frankfurt der 70er Jahre zurück. Aber inzwischen ist der chor so multinational und hat auch Mitglieder aus Europa und Afrika. Gemeinsam begeisterten sie rund 400 Zuhörer. Foto: Ungarisch

Ginnheim. Ob zu Ostern, Weihnachten oder anderen Anlässen: Gospelmusik ist keineswegs nur zum Zuhören gedacht. Denn wer Gospels liebt, geht mit, klatscht mit oder tanzt sogar mit. Und nichts bietet sich dafür besser an als ein geräumiger und doch überschaubarer Gemeindesaal wie in der Bethlehemkirche im Fuchshohl mit ihrer fast familiären Athmosphäre. So war die Kirche ein geeigneter Ort für die evangelisch-lutherische Gemeinde Atterberry Chapel, um das zehnte Konzert zu Ostern mit Gospels unter der Leitung von Ellen Craig-Bragg zu feiern.

Auch in diesem Jahr war Ellen Craig-Bragg extra für eine Woche von Detroit in den USA nach Frankfurt gekommen, um mit dem Martin Luther King Choir der Atterberry Chapel sowie dem Sounds of Gospels und dem Frankfurt Gospel Chor für das Jubiläum zu proben. „Ich habe in den zehn Jahren mit Euch so viel Schönes erlebt“, verkündete die Chorleiterin den rund 400 Zuhörern voll Dankbarkeit. „Denn der Herr gab mir die Fähigkeit, die Gospels an Euch weiterzugeben.“ Und als der Workshop aus vier Chören voller Hingabe das Lied „No Greater Love“ anstimmte, bestand kein Zweifel mehr im Publikum: Man kann dem Glauben ebenso sein Herz schenken wie einem geliebten Menschen.

Kennzeichnend für das Gospelkonzert war der Wechsel von Liedern und den so genannten Praise Dances, die den Herrn in der Art von Ballett-Tänzen loben. Gesungene und getanzte Gebete, die zum Einstudieren noch nicht einmal Notenblätter erforderlich machen. „Wir singen rein nach Gehör“, erklärte Nicole Alt, Chorleiterin des Sounds of Gospels. „Wichtig ist, dass die Musik aus dem Herzen kommt.“ Ganz abgesehen davon würden sich viele Sänger mit dem Notenlesen schwertun.

Die ersten Gospels entstanden im 19. Jahrhundert in den amerikanischen Südstaaten als geistliche Musik der schwarzen Sklaven. „Die Gospels aus unserem Programm wurden aber alle in den vergangenen zehn Jahren geschrieben und greifen auch Elemente der Pop- und Soulmusik auf“, erklärte Frau Craig-Bragg. Einige waren neu einstudiert, andere ein Rückblick auf die vergangenen zehn Jahre. Damals, als die Gospelexpertin wegen der Militärlaufbahn ihres Mannes nach Frankfurt zog und hier ihre Chöre aufbaute. Und auf diese Weise eine herzliche Freundschaft zu dem amerikanischen Gemeindeleben in Frankfurt entwickelte, die bis heute andauert.

Eigentlich wollte die Atterberry Chapel das Jubiläumskonzert bereits in den eigenen Hallen in einem Industriegebäude in Hausen feiern. „Doch vor ein paar Monaten mussten wir feststellen, dass wir es mit den Umbauarbeiten nicht bis Ostern schaffen“, erklärte Gemeindemitglied Anne Röhrig. Verglichen mit der sakralen, aber doch recht großen Frauenfriedenskirche, in der die Atterberry Chapel im vergangenen Jahr feierte, war die Bethlehemkirche wegen ihrer Akustik gerade richtig: „Denn dort kann man aus voller Seele klatschen, ohne dass es gleich ein hallendes Echo gibt.“

Die Atterberry Chapel geht in ihrer Gründung noch auf die amerikanischen Soldaten im Frankfurt der 70er Jahre zurück. „Heute aber sind wir sehr multinational orientiert, haben auch einige Mitglieder aus Europa und Afrika“, erklärte Frau Röhrig. Sie selbst fand den Weg zu der Gemeinde, nachdem sie mit ihrer Tochter Katrina von einem mehrjährigen Aufenthalt in Los Angeles zurückkam. In den USA hatten Mutter und Tochter das spirituelle Leben der Afro-Amerikaner kennen gelernt, deshalb suchten sie auch in Frankfurt entsprechende Kontakte. Die Atterberry Chapel gibt Anne und Katrina Röhrig die Möglichkeit, die liebgewonnene Tradition spiritueller Gottesdienste auch hier zu pflegen.

Was das bedeutet, erlebten die Konzertbesucher zum Ende des Abends: Immer mehr bezog Ellen Craig-Bragg die Gemeinde in die Gospelmusik ein, forderte sie auf, mehrstimmig in das leidenschaftliche „Hosanna“ miteinzustimmen. Worauf das Publikum zu einem einzigen Chor verschmolz, sich Sänger und Sängerinnen gleichsam in die Arme fielen. „Denn wir sind hier alle wie eine Familie“, erklärte Katrina Röhrig. (got)

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