presse Bildpresse

Höchster Kreisblatt, 01.10.2003

Das Publikum jubelt, Kinderhände schmerzen

Von Katja Faltinsky

Nied. "Gospel ist für mich die Musik, die am unmittelbarsten ins Herz geht. Es ist eine sehr befreiende und spirituelle Musik", sagte Martin Schultheiß, der mit seinem "Frankfurter Gospelchor" in der Christuskirche auftrat. Organisiert hatte den Auftritt eine Sängerin des Chors, deren Kind in den Evangelischen Kindergarten der Christuskirchengemeinde "Am Rosengarten" geht. So ging es bei dem Benefizkonzert des Gospelchors darum, Geld für das neue Außengelände der Kindertagesstätte zu sammeln.

"I will sing to the lord", verkündeten stimmgewaltig die 30 Sänger beim Einmarsch in die Kirche. Zu Gott singen und ihn loben ? das wollte der Frankfurter Gospelchor mit seinem Publikum. Chorleiter Schultheiß meinte: "Ein Gospelkonzert ist nur dann richtig schön, wenn die Zuschauer mitmachen." Der Chor habe aber nur einen "Gassenhauer" im Programm.

Daran störte sich das Publikum nicht. Schließlich waren alle Lieder sehr gängig und schon bald klatschten die ersten Zuhörer im Takt. Die meisten Gospels begleitete Schultheiß am Keyboard, den Takt zum Lied "Singabahamba" schlug er auf einer afrikanischen Trommel namens "Djembe". Bei "I need you" wechselten sich der Eritreer Rimm Elfu und Chor mit dem Text ab. "I won't harm you", sang der Chor. "No I won't, no I won't", echote Elfu. Dabei verzog er so leidenschaftlich das Gesicht, dass ihm das Publikum seine christliche Liebesbotschaft einfach glauben musste.

Für "Nobody but you lord" ließ Ute Bernard-Müller das Publikum aufstehen und mitsingen. Mit ihrer souligen Stimme riss Bernard-Müller sogar die ältere Dame in der letzten Reihe mit: Sie wippte im Stehen zur Musik und sang leise mit. Die Kinder im Publikum klatschten so schwungvoll im Takt, dass sie sich gegenseitig fast aus der Kirchenbank schubsten. In der Pause jammerte dann ein Mädchen, dass ihm die Hände wehtaten.

Einige Erwachsene wollten wissen, ob sie mal mit dem Chor proben könnten. Und auf Martin Schultheiß trat ein Freund zu, umarmte ihn und rief: "Worship!"

Die euphorische Stimmung hielt im zweiten Teil des Konzerts an. Als die ersten Takte des Gospel-Klassikers "Oh Happy Day" erklangen, jubelte das Publikum begeistert "Wuuuuh". Und als der Chor schon längst aus der Kirche marschiert war, sangen die Zuschauer immer noch: "Amen, Amen, Aahameen."

(c) 2008 HoPe Webdesign